Peter Scholl-Latour Forum
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#1

5. Juni 1967: das Trauma der ägyptischen Luftwaffe

in Naher und mittlerer Osten. 19.02.2012 23:47
von ThomasZuern • 1 Beitrag

Erinnern wir uns an den "Sechs Tage Krieg", der vom 5. bis zum 10. Juni 1967 zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarstaaten währte. In der Nacht vom 15. zum 16. Mai 1967 ließ Gamal Abdel Nasser die 5. ägyptische Armee in den Sinai verlegen. Weitere Infanterie- und Panzerdivisionen aus anderen ägyptischen Armeen folgten. Obwohl Ägypten einen erheblichen Teil seiner Streitkräfte im Bürgerkrieg in Jemen gebunden hatte, hatte Ägypten tausend Panzer und einhunderttausend Soldaten in der Nähe der israelischen Westgrenze disloziert. Zudem hatte Ägypten die Straße von Tiran für die israelische Schiffahrt gesperrt, und die ägyptische Luftwaffe war mit den modernsten sowjetischen MIG-Kampf- und Jagdflugzeugen ausgerüstet. Obwohl Nasser mit Syrien, Jordanien und sogar mit dem Irak verbündet war, ließ Nasser Israel nicht angreifen. Was bezweckte der ägyptische Staatspräsident mit seinem gewaltigen Aufmarsch auf der Sinai-Halbinsel? Wollte er Israel nur drohen, um der arabischen Welt zu imponieren? Der israelische Geheimdienst wußte, daß trotz des Vorhandenseins einer großen ägyptischen Streitmacht vor der eigenen Grenze ein Angriff nicht bevorstünde. Wollte Gamal Abdal Nasser mit seiner militärischen Passivität der Welt seine Friedfertigkeit beweisen? War der damalige ägyptische Verteidigungsminister Abdel Hakim A. strategisch unfähig? --- Verstand Nasser die militärische Lehre von Clausewitz nicht, wonach Angriff die beste Verteidigung ist? Jedenfalls war es ein bodenloser Leichtsinn, die israelische Militärmacht mit solch eine militärischen Dislokation zu provozieren. Während Ägypten einen Angriff gar nicht vorgehabt hatte, schritten die Israelis am 5. Juni 1967 zur Tat: ohne Kriegserklärung griff die israelische Luftwaffe alle wesentlichen ägyptischen Militärflugplätze auch westlich des Suez-Kanals in Ägypten an. Schon am ersten Kriegstag wurden über 350 ägyptische Maschinen überwiegend am Boden zerstört. Zugleich erfolgte die israelische Großoffensive auf der Sinai-Halbinsel. --- Wer kann über den Verlauf des "Sechs Tage Krieges" weitere Berichte schreiben? Führte der "harb al-ayyam as-sitta" in der arabischen Geschichtsschreibung zu einer seelischen Erschütterung? --- Ich möchte es noch einmal wissen: waren Nasser und der ägyptische Verteidigungsminister unfähige militärstrategische Dilettanten? --- Weshalb wurde der israelische Präventivschlag in der westlichen Welt nirgendwo als Überfall bezeichnet, obwohl der Angriff ohne Kriegserklärung erfolgte? --- In einem weiteren Gesichtspunkt möchte ich gerne in Erfahrung bringen, inwieweit die ägyptische Armee aus den im Jahr 1967 begangenen Fehlern gelernt hat? Jedenfalls gelang es den ägyptischen Truppen im Krieg von 1973 den Suez-Kanal zu überqueren, und auf der Sinai-Halbinsel eine Offensive einzuleiten. Offenbar war Nassers Nachfolger ein besseres militärisches Talent?

Thomas Zürn

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#2

RE: 5. Juni 1967: das Trauma der ägyptischen Luftwaffe

in Naher und mittlerer Osten. 28.02.2012 21:33
von Bazi • 99 Beiträge

Das Ägypten keinen Angriff plante ist eine sehr vage Behauptung. Und eine Kriegserklährung war, zumindest formal, nicht nötig, da man sich im Krieg befand. Ich erinnere daran, dass erst Sadat den Staat Israel anerkannt hat. Also begann der Krieg spätestens mit der Staatsgründung Israels.

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#3

RE: 5. Juni 1967: das Trauma der ägyptischen Luftwaffe

in Naher und mittlerer Osten. 12.03.2013 23:33
von Bazi • 99 Beiträge

In einer Geheimdienst-Doku auf ZDFinfo wurde aus Mossad-Kreisen (israelischer Geheimdienst) berichtet. Israel hatte kurz zuvor (übrigens im Auftrag der CIA) eine MIC 21 (sowjetischer Kampf-Jet) durch einen arabischen Überläufer (ich glaube ein hoher syrischer Militär) erbeutet bzw. als Bedingung für Asyl verlangt. Die Sowjetunion belieferte damals Syrien und Ägypten mit ihren neuen, und den modernen US-Kampfjet überlegen geltenden, MIC 21. Diese Informationsquelle sollte entscheidend für sofortige Ausschaltung der, mit modernen MICs ausgestatteten, ägyptischen Luftwaffe, gleich zu Beginn des Krieges sein. Wäre Ägypten in der Lage gewesen, seine Luftwaffe im Krieg einsetzen zu können, wäre einiges anders gelaufen.
Gamal Abdal Nasser (der ägyptische Präsident) war damals der bedeutendste Vertreter, einer selbstbewussten arabisch-sozialistischen Bewegung, die u.a. die Wiedervereinigung von Ägypten und Syrien anstrebte. Das lässt auch Rückschlüsse auf die Bedrohungslage für das Land zwischen diesen beiden Staaten zu. Dieses Land ist rein zufällig das, grade erst gegründete, bzw. "von Juden besetzte", Israel.

Also durchaus Grund für Nasser Israel einzuschüchtern. Und ausreichend Grund für Israel sofort zu zuschlagen: Um den strategischen Vorteil, über die Stärken, Schwächen und Standorte der vermeindliche ägyptische Geheimwaffe MIC 21 zu wissen, zu nutzen, bevor Ägypten diese einsetzt!

zuletzt bearbeitet 12.03.2013 23:58 | nach oben springen


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