Peter Scholl-Latour Forum
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#1

Pakistans doppeltes Spiel.

in Asien 16.06.2007 19:41
von Bullway • 771 Beiträge

Das Rückgrad der Taliban liegt zweifelsohne in Pakistan. Jüngst gab sogar Präsident Musharraf zu, daß der pakistanische Militärgeheimdienst ISI die Taliban logistisch unterstützt und ehemalige ISI-Mitarbeiter in der Führung der Taliban vermutet werden können. Wenngleich also auf der einen Seite Pakistan bemüht ist, die Autonomie der paschtunischen Stämme zu brechen und immer wieder Mitglieder von al-Qaida (nicht der Taliban) zumindest als good will-Aktionen gefangen nimmt und an die USA ausliefert, unterstützen Teile des pakistanischen Geheimdienstes und Militärs die Taliban. Hierfür gibt es zwei Gründe. Der eine ist, daß nach dem 11. September die militanten Islamisten in Pakistan selbst zu einem Problem wurden. Pakistan schuf sich ein Ventil im Umgang mit den militanten Islamisten, indem es ihnen den Weg auf das ‚Schlachtfeld Afghanistan’ offen hielt. Der andere Grund ist in der Demütigung Pakistans zu sehen. So verlor Pakistan mit dem Sturz der Taliban jeglichen Einfluß auf die afghanische Regierung. Auch näherten sich die USA und der Erzfeind Indien – gerade in der Frage des atomaren Technologietransfers – an, und unterhält die Karzai-Regierung gute Beziehungen zu Indien. So offerierte Indien Afghanistan Entwicklungs- und Militärhilfe über 650 Mio. US-$ und eröffnete Konsulate in Kandahar und Jalalabad – also in direkter Nachbarschaft zur pakistanischen Grenze. Pakistanische Politiker klagen daher Indien an, von Afghanistan aus Pakistan destabilisieren und den wiederaufkeimenden Widerstand in Belutschistan fördern zu wollen. Dieser Vorwurf geht einher mit einem wachsenden militanten Widerstand in Belutschistan, einer ressourcenreichen aber bevölkerungsarmen Region.
Wie offen sich die Taliban in Pakistan bewegen können, wird daraus ersichtlich, daß diese ihr Hauptquartier nicht irgendwo in den Bergen, sondern mitten in Quetta haben. Auch soll das pakistanische Militär die Taliban logistisch (z.B. Transport) unterstützen. Ebenfalls wird das Gros der Kämpfer und Selbstmordattentäter unter afghanischen Flüchtlingen in Pakistan rekrutiert und in der FATA ausgebildet. Woher die Taliban die finanziellen Mittel für ihren Kampf nehmen, ist dennoch unklar. Immer wieder wird betont, daß die Taliban sich über den Drogenhandel finanzieren. Wenngleich dies wohl stimmen mag, so ist Vorsicht geboten, eine negative Kausalkette von Krieg-Taliban-Drogen aufzubauen. Denn auch afghanische Regierungsvertreter vom Minister bis hin zum einfachen Polizisten sind in den Drogenhandel verstrickt. Weitere Einkünfte der Taliban dürften von reichen Mäzenen aus dem Nahen und Mittleren Osten stammen. Eine finanzielle Unterstützung durch Pakistan ist zwar anzunehmen, ist aber kaum nachzuweisen. Die Taliban scheinen auf jeden Fall finanziell gut ausgerüstet zu sein.
So erhalten Kämpfer der Taliban einen Sold, der um das vierfache denjenigen eines afghanischen Soldaten übersteigt; daher heuert auch manch ein Kämpfer aus reinen finanziellen Anreizen bei den Taliban an.


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